pm angola regenwald 22.6.2020
Schlangenarten, wie diese Östliche Gabunviper (Bitis gabonica) vermutet das Forscher*innen-Team sogar noch zahlreicher in dem Gebiet.

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Angola: Regenwald in Gefahr

Bergketten in der Provinz Uíge sollten laut Forscher*innenteam zu Nationalpark ernannt werden


Senckenberg-Wissenschaftler*innen haben mit Forschenden aus Angola und Deutschland die erste umfassende Erfassung der Amphibien- und Reptilienwelt in den Bergketten der angolanischen Uíge-Provinz vorgenommen. Die „Serra do Pingano Region“ zeichnet sich durch eine sehr hohe herpetologische Vielfalt aus – darunter auch einige bislang unbekannte Arten – und sollte laut dem Forscher*innen-Team zum geschützen Gebiet ernannt werden. Aktuell sind die Wälder durch den Einschlag von Tropenholz und die massive Produktion von Holzkohle bedroht. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Zoosystematics and Evolution“.

Neun Nationalparks und sechs Naturschutzgebiete gibt es aktuell in Angola, insgesamt nehmen die geschützen Regionen etwa 12 Prozent des südwestafrikanischen Staates ein. „Unsere jüngsten Untersuchungen zeigen, dass mindestens ein weiterer Biodiversitäts-Hotspot – die Bergketten in der Uíge-Provinz mit den letzten verbliebenen tropischen Regenwäldern Angolas – in diese Reihe aufgenommen werden müsste“, erklärt Dr. habil. Raffael Ernst von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden.

Ernst hat gemeinsam mit Forschenden aus Angola und Deutschland Daten aus vier unabhängigen Feldkampagnen, die zwischen 2013 und 2019 in den Regenwäldern der Uíge-Provnz stattfanden, ausgewertet. „So konnten wir erstmalig die Amphibien- und Reptilienarten in dieser Region erfassen“, erläutert der Dresdner Herpetologe und fährt fort: „Bisher gab es hierzu – bedingt durch die zahlreichen Konflikte und Kriege in diesem Land – kaum auswertbare Daten.“
33 Reptilien- und 47 Amphibienarten zählten das Team in dem etwa 2800 Quadratkilometer großen Gebiet. 10 der Reptilienarten und 18 der entdeckten Amphibienarten leben ausschließlich in den untersuchten angolischen Regenwäldern. „Innerhalb der Amphibien haben wir zudem 14 bislang in Angola unbekannte sowie weitere bisher unbeschriebene, neue Arten gefunden“, ergänzt Ernst.

Doch diese beeindruckende Artenvielfalt ist bedroht: Schon jetzt sind die Auswirkungen von unkontrolliertenm Tropenholzeinschlag, Straßenbau und der gestiegenen Produktion von Holzkohle in dem Gebiet deutlich zu erkennen. „Die tropischen Regenwälder in den Bergketten der angolanischen Provinz Uíge leiden unter rapider Ausbeutung und Umweltzerstörung. Nicht nur die herpetologische Vielfalt ist hierdurch gefährdet; essentielle Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen, welche für eine nachhaltige Landnutzung und Versorgung mit sauberem Wasser für die lokale Bevölkerung unentbehrlich sind – drohen zu verschwinden. Wir plädieren daher für die Einrichtung eines Nationalparks in dieser Region, um die letzten verbliebenen Regenwälder Angolas nachhhaltig zu schützen!“, schließt Ernst.

Publikation

Ernst, Raffael & Lautenschläger, Thea & Branquima, Makaya & Hölting, Monique. (2020). At the edge of extinction: a first herpetological assessment of the proposed Serra do Pingano Rainforest National Park in Uíge Province, northern Angola. Zoosystematics and Evolution. 96. 237-262. 10.3897/zse.96.51997.

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Eine von 47 Amphibienarten in dem untersuchten Gebiet: L. millsoni. Der Frosch ist mit etwa 8 Zentimeter Länge ein „Gigant“ in der afrikanischen Baumfroschgattung Leptopelis.

Foto: Senckenberg/Ernst

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Die Chamäleonart Chamaeleo gracilis etiennei ist bislang noch weit verbreitet.
Foto: Senckenberg/Ernst

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Schlangenarten, wie diese Östliche Gabunviper (Bitis gabonica) vermutet das Forscher*innen-Team sogar noch zahlreicher in dem Gebiet. Foto: Senckenberg/Ernst.

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Die „Serra do Pingano Region“ zeichnet sich durch eine sehr hohe herpetologische Vielfalt aus.
Foto: Thea Lautenschläger