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Fossile Riesenzwergkrokodile entdeckt

Zwei neue ausgestorbene Krokodilarten aus Ostafrika beschrieben


In einer im Fachjournal „The Anatomical Record“ veröffentlichten Studie hat ein Team von Forscher*innen, unter ihnen Senckenberger Dr. Thomas Lehmann, zwei neue Krokodilarten beschrieben. Die als „Riesenzwergkrokodile“ bezeichneten Arten lebten vor 15 bis 18 Millionen Jahren in Ostafrika, bevor sie auf bislang ungeklärte Weise verschwanden. Die Tiere sind mit heutigen, in Zentral- und Westafrika vorkommenden Stumpfkrokodilen verwandt. Das Team unter der Leitung der Universität von Iowa vermutet, dass auch Vorfahren des modernen Menschen auf dem Speiseplan der nun ausgestorbenen Krokodile standen.

Das Stumpf- oder Zwergkrokodil (Osteolaemus tetraspis) gilt als die kleinste noch lebende Krokodilart. Selten werden die in Afrika lebenden Reptilien länger als 1,50 Meter. „Anders war das bei ihren ausgestorbenen, von uns erst kürzlich neu entdeckten Verwandten. Diese in der Zeit des frühen und mittleren Miozäns in Kenia lebenden ‚Riesenzwergkrokodile‘ konnten bis zu vier Meter lang werden. Sie waren damit wohl die größten dort lebenden Raubtiere“, erklärt Dr. Thomas Lehmann vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und fährt fort: „Auch für unsere frühen Vorfahren stellten die Krokodile sicherlich eine nicht unerhebliche Gefahr dar.“

Entdeckt wurden die neuen, zwischen 15 und 18 Millionen Jahre alten Arten – Kinyang mabokoensis und Kinyang tchernovi – in verschiedenen Fundstellen Kenias. Von anderen Krokodilarten unterscheiden sich die Neuentdeckungen vor allem durch ihre kurze, tiefe Schnauze und ihre großen, konischen Zähne.

„Zu Lebzeiten der Krokodile war das heutige Kenia weitgehend von Wäldern bedeckt. Wir gehen davon aus, dass sich die beiden Arten vorwiegend im Wald, nicht im Wasser, aufhielten und dort ihrer Beute auflauerten und ihre Jungen großzogen“, so der Frankfurter Paläontologe. Diese Spezialisierung auf den Lebensraum Wald könnte auch zum Verschwinden der ‚Riesenzwergkrokodile‘ mit dem Ende des sogenannten „miozänen Klimaoptimums“ vor etwa 15 Millionen Jahren geführt haben. Laut der Studie führte der damalige Klimawandel zu weniger Niederschlägen in der Region. Dies hatte einen allmählichen Rückzug der Wälder zur Folge, die Grasland und gemischten Savannenwäldern wichen. Lehmann hierzu: „Heutige Stumpfkrokodile sind ausschließlich in bewaldeten Feuchtgebieten anzutreffen. Der Verlust des Lebensraums könnte zum Aussterben der beiden Kinyang-Arten geführt haben. Allerdings können wir aufgrund der wenigen Fossilfunde noch nicht exakt bestimmen, wann die Krokodile wirklich ausstarben. Jüngere Funde von Krokodilen aus dieser Region – allen voran die ersten Nilkrokodile – sind auf sieben Millionen Jahre datiert. Es klafft demnach eine große zeitliche Lücke zwischen den Fossilien. Weitere Funde und Untersuchungen sind nötig, um das Rätsel zum Verschwinden der ‚Riesenzwergkrokodile‘ endgültig zu lösen!“

Publikation: Brochu, C. A., de Celis, A., Adams, A. J., Drumheller, S. K., Nestler, J. H., Benefit, B. R., Grossman, A., Kirera, F., Lehmann, T., Liutkus-Pierce, C., Manthi, F. K., McCrossin, M. L., McNulty, K. P., & Nyaboke Juma, R. (2022). Giant dwarf crocodiles from the Miocene of Kenya and crocodylid faunal dynamics in the late Cenozoic of East Africa. The Anatomical Record, 1– 37. https://doi.org/10.1002/ar.25005

Die als „Riesenzwergkrokodile“ bezeichneten, neu entdeckten Arten lebten vor 15 bis 18 Millionen Jahren in Ostafrika. Charakteristisch sind die kurze, tiefe Schnauze und die großen, konischen Zähne. Grafik: Christopher A. Brochu

Größenvergleich: Mensch, heutiges Stumpfkrokodil und „Riesenzwergkrokodil“. Grafik: Christopher A. Brochu