pm frösche 18.12.2020
Der Ort, an dem die neu entdeckte Froschart Oreobates chiquitanus gefunden wurde, existiert in dieser Form nicht mehr.

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Frosch sendet S.O.S.

Neu entdeckte Froschart durch akute Entwaldung in Bolivien bedroht


Senckenberg-Wissenschaftler Martin Jansen hat gemeinsam mit brasilianischen Kolleg*innen die Frosch-Gattung Oreobates untersucht und neugeordnet. Anhand von morphologischen, bioakustischen und genetischen Methoden konnten sie innerhalb der Gattung eine neue Froschart aus Bolivien beschreiben. Der Lebensraum von Oreobates chiquitanus ist aktuell stark durch Viehwirtschaft und die einhergehende Entwaldung gefährdet. Die Studie erscheint heute im „Journal of Herpetology“.

Äußerlich sind die Arten der Frosch-Gattung Oreobates sehr schwer zu unterscheiden – die Verwechslungsgefahr ist bei den in Südamerika lebenden Amphibien hoch. „Daher haben wir nun die Gattung mit kombinierten Methoden untersucht, um ihren taxonomischen Status und ihr Verbreitungsgebiet zu klären. Neben der Morphologie wurden hierfür die Rufe der Frösche und deren Genetik analysiert“, erklärt Dr. Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und fährt fort: „Dabei haben wir auch eine bislang unbekannte Art aus Bolivien entdeckt“.

Die zwischen 24 und 27 Millimeter große Neubeschreibung Oreobates chiquitanus wurde von dem Frankfurter Herpetologen in der Region Chiquitania im östlichen Bolivien gesammelt. Der grau gefärbte Frosch mit braunem Muster fällt unter anderem durch seinen Ruf auf, der aus 5 bis 9 Takten besteht, die sich aus 3 bis 5 Teiltönen zusammensetzen. Jansen hierzu: „Ob wir diese Rufe aber nochmal zu hören bekommen ist fraglich. Das Trockenwaldgebiet, in dem wir den Frosch gefunden haben, ist innerhalb der letzten drei Monate abgeholzt worden, während wir an der wissenschaftlichen Beschreibung saßen.“ Die Region Chiquitania hat alleine im Jahr 2019 über 1,4 Millionen Hektar ihrer Waldfläche durch Waldbrände verloren. „Das sind zwölf Prozent der Gesamtfläche dieses tropischen Trockenwaldes, welche der dort lebenden, größtenteils endemischen Fauna und Flora fehlen. Wir Taxonom*innen können also gar nicht so schnell die Biodiversität erfassen, wie wir sie verlieren“, ergänzt Jansen und fasst zusammen: „Wir gehen davon aus, dass noch viele weitere Froscharten in der Region unentdeckt sind. Ob wir diese noch beschreiben können, hängt auch davon ab, wie in Zukunft mit der Natur umgegangen wird. Der rasant steigende Waldverlust durch Viehwirtschaft verändert jetzt schon das lokale Klima und die Niederschlagsregime, das heißt es wird wärmer und trockener. Dies schadet nicht nur den Fröschen, sondern dem gesamten Ökosystem. Es macht den Wald sehr viel anfälliger für Waldbrände, aber auch die Viehwirtschaft wird durch vermehrte Dürrezeiten immer unrentabler.“

Publikation
Pansonato, A., Motta, A., Cacciali, P., Haddad, C.F.B., Strüssmann, C., & M. Jansen (2020) On the Identity of Species of Oreobates (Anura: Craugastoridae) from Central South America, with the Description of a New Species from Bolivia. Journal of Herpetology 54 (4): 393–412. doi: https://doi.org/10.1670/20-001

pm frösche 18.12.2020

Der Ort, an dem die neu entdeckte Froschart Oreobates chiquitanus gefunden wurde, existiert in dieser Form nicht mehr. Foto: Senckenberg